Thus Spake Zarathustra
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Thus Spake Zarathustra Also Sprach Zarathustra

Part 1

VIII. THE TREE ON THE HILL.Vom Baum am Berge
Zarathustra's eye had perceived that a certain youth avoided him. And as he walked alone one evening over the hills surrounding the town called "The Pied Cow," behold, there found he the youth sitting leaning against a tree, and gazing with wearied look into the valley. Zarathustra thereupon laid hold of the tree beside which the youth sat, and spake thus: Zarathustra's Auge hatte gesehn, dass ein Jüngling ihm auswich. Und als er eines Abends allein durch die Berge gieng, welche die Stadt umschliessen, die genannt wird ``die bunte Kuh'': siehe, da fand er im Gehen diesen Jüngling, wie er an einen Baum gelehnt sass und müden Blickes in das Thal schaute. Zarathustra fasste den Baum an, bei welchem der Jüngling sass, und sprach also:
"If I wished to shake this tree with my hands, I should not be able to do so. Wenn ich diesen Baum da mit meinen Händen schütteln wollte, ich würde es nicht vermögen.
But the wind, which we see not, troubleth and bendeth it as it listeth. We are sorest bent and troubled by invisible hands." Aber der Wind, den wir nicht sehen, der quält und biegt ihn, wohin er will. Wir werden am schlimmsten von unsichtbaren Händen gebogen und gequält.
Thereupon the youth arose disconcerted, and said: "I hear Zarathustra, and just now was I thinking of him!" Zarathustra answered: Da erhob sich der Jüngling bestürzt und sagte: ``ich höre Zarathustra und eben dachte ich an ihn.'' Zarathustra entgegnete:
"Why art thou frightened on that account?--But it is the same with man as with the tree. ``Was erschrickst du desshalb? - Aber es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume.
The more he seeketh to rise into the height and light, the more vigorously do his roots struggle earthward, downward, into the dark and deep--into the evil." Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, in's Dunkle, Tiefe, - in's Böse.''
"Yea, into the evil!" cried the youth. "How is it possible that thou hast discovered my soul?" ``Ja in's Böse! rief der Jüngling. Wie ist es möglich, dass du meine Seele entdecktest?''
Zarathustra smiled, and said: "Many a soul one will never discover, unless one first invent it." Zarathustra lächelte und sprach: ``Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, dass man sie zuerst erfindet.''
"Yea, into the evil!" cried the youth once more. ``Ja in's Böse! rief der Jüngling nochmals.
"Thou saidst the truth, Zarathustra. I trust myself no longer since I sought to rise into the height, and nobody trusteth me any longer; how doth that happen? Du sagtest die Wahrheit, Zarathustra. Ich traue mir selber nicht mehr, seitdem ich in die Höhe will, und Niemand traut mir mehr, - wie geschieht diess doch?
I change too quickly: my to-day refuteth my yesterday. I often overleap the steps when I clamber; for so doing, none of the steps pardons me. Ich verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich überspringe oft die Stufen, wenn ich steige, - das verzeiht mir keine Stufe.
When aloft, I find myself always alone. No one speaketh unto me; the frost of solitude maketh me tremble. What do I seek on the height? Bin ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe?
My contempt and my longing increase together; the higher I clamber, the more do I despise him who clambereth. What doth he seek on the height? Meine Verachtung und meine Sehnsucht wachsen mit einander; je höher ich steige, um so mehr verachte ich Den, der steigt. Was will er doch in der Höhe?
How ashamed I am of my clambering and stumbling! How I mock at my violent panting! How I hate him who flieth! How tired I am on the height!" Wie schäme ich mich meines Steigens und Stolperns! Wie spotte ich meines heftigen Schnaubens! Wie hasse ich den Fliegenden! Wie müde bin ich in der Höhe!''
Here the youth was silent. And Zarathustra contemplated the tree beside which they stood, and spake thus: Hier schwieg der Jüngling. Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen, und sprach also:
"This tree standeth lonely here on the hills; it hath grown up high above man and beast. Dieser Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Thier.
And if it wanted to speak, it would have none who could understand it: so high hath it grown. Und wenn er reden wollte, er würde Niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch wuchs er.
Now it waiteth and waiteth,--for what doth it wait? It dwelleth too close to the seat of the clouds; it waiteth perhaps for the first lightning?" Nun wartet er und wartet, - worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu nahe: er wartet wohl auf den ersten Blitz?
When Zarathustra had said this, the youth called out with violent gestures: "Yea, Zarathustra, thou speakest the truth. My destruction I longed for, when I desired to be on the height, and thou art the lightning for which I waited! Lo! what have I been since thou hast appeared amongst us? It is mine envy of thee that hath destroyed me!"--Thus spake the youth, and wept bitterly. Zarathustra, however, put his arm about him, and led the youth away with him. Als Zarathustra diess gesagt hatte, rief der Jüngling mit heftigen Gebärden: ``Ja, Zarathustra, du sprichst die Wahrheit. Nach meinem Untergange verlangte ich, als ich in die Höhe wollte, und du bist der Blitz, auf den ich wartete! Siehe, was bin ich noch, seitdem du uns erschienen bist? Der Neid auf dich ist's, der mich zerstört hat!'' - So sprach der Jüngling und weinte bitterlich. Zarathustra aber legte seinen Arm um ihn und führte ihn mit sich fort.
And when they had walked a while together, Zarathustra began to speak thus: Und als sie eine Weile mit einander gegangen waren, hob Zarathustra also an zu sprechen:
It rendeth my heart. Better than thy words express it, thine eyes tell me all thy danger. Es zerreisst mir das Herz. Besser als deine Worte es sagen, sagt mir dein Auge alle deine Gefahr.
As yet thou art not free; thou still SEEKEST freedom. Too unslept hath thy seeking made thee, and too wakeful. Noch bist du nicht frei, du suchst noch nach Freiheit. Übernächtig machte dich dein Suchen und überwach.
On the open height wouldst thou be; for the stars thirsteth thy soul. But thy bad impulses also thirst for freedom. In die freie Höhe willst du, nach Sternen dürstet deine Seele. Aber auch deine schlimmen Triebe dürsten nach Freiheit.
Thy wild dogs want liberty; they bark for joy in their cellar when thy spirit endeavoureth to open all prison doors. Deine wilden Hunde wollen in die Freiheit; sie bellen vor Lust in ihrem Keller, wenn dein Geist alle Gefängnisse zu lösen trachtet.
Still art thou a prisoner--it seemeth to me--who deviseth liberty for himself: ah! sharp becometh the soul of such prisoners, but also deceitful and wicked. Noch bist du mir ein Gefangner, der sich Freiheit ersinnt: ach, klug wird solchen Gefangnen die Seele, aber auch arglistig und schlecht.
To purify himself, is still necessary for the freedman of the spirit. Much of the prison and the mould still remaineth in him: pure hath his eye still to become. Reinigen muss sich noch der Befreite des Geistes. Viel Gefängniss und Moder ist noch in ihm zurück: rein muss noch sein Auge werden.
Yea, I know thy danger. But by my love and hope I conjure thee: cast not thy love and hope away! Ja, ich kenne deine Gefahr. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg!
Noble thou feelest thyself still, and noble others also feel thee still, though they bear thee a grudge and cast evil looks. Know this, that to everybody a noble one standeth in the way. Edel fühlst du dich noch, und edel fühlen dich auch die Andern noch, die dir gram sind und böse Blicke senden. Wisse, dass Allen ein Edler im Wege steht.
Also to the good, a noble one standeth in the way: and even when they call him a good man, they want thereby to put him aside. Auch den Guten steht ein Edler im Wege: und selbst wenn sie ihn einen Guten nennen, so wollen sie ihn damit bei Seite bringen.
The new, would the noble man create, and a new virtue. The old, wanteth the good man, and that the old should be conserved. Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und dass Altes erhalten bleibe.
But it is not the danger of the noble man to turn a good man, but lest he should become a blusterer, a scoffer, or a destroyer. Aber nicht das ist die Gefahr des Edlen, dass er ein Guter werde, sondern ein Frecher, ein Höhnender, ein Vernichter.
Ah! I have known noble ones who lost their highest hope. And then they disparaged all high hopes. Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchste Hoffnung. Und nun verleumdeten sie alle hohen Hoffnungen.
Then lived they shamelessly in temporary pleasures, and beyond the day had hardly an aim. Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele.
"Spirit is also voluptuousness,"--said they. Then broke the wings of their spirit; and now it creepeth about, and defileth where it gnaweth. ``Geist ist auch Wollust'' - so sagten sie. Da zerbrachen ihrem Geiste die Flügel: nun kriecht er herum und beschmutzt im Nagen.
Once they thought of becoming heroes; but sensualists are they now. A trouble and a terror is the hero to them. Einst dachten sie Helden zu werden: Lüstlinge sind es jetzt. Ein Gram und ein Grauen ist ihnen der Held.
But by my love and hope I conjure thee: cast not away the hero in thy soul! Maintain holy thy highest hope!-- Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! Halte heilig deine höchste Hoffnung! -
Thus spake Zarathustra. Also sprach Zarathustra.