Thus Spake Zarathustra
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Thus Spake Zarathustra Also Sprach Zarathustra

Part 4

LXIII. TALK WITH THE KINGS.

Gespräch mit den Königen

1. 1.
Ere Zarathustra had been an hour on his way in the mountains and forests, he saw all at once a strange procession. Right on the path which he was about to descend came two kings walking, bedecked with crowns and purple girdles, and variegated like flamingoes: they drove before them a laden ass. "What do these kings want in my domain?" said Zarathustra in astonishment to his heart, and hid himself hastily behind a thicket. When however the kings approached to him, he said half-aloud, like one speaking only to himself: "Strange! Strange! How doth this harmonise? Two kings do I see--and only one ass!" Zarathustra war noch keine Stunde in seinen Bergen und Wäldern unterwegs, da sahe er mit Einem Male einen seltsamen Aufzug. Gerade auf dem Wege, den er hinabwollte, kamen zwei Könige gegangen, mit Kronen und Purpurgürteln geschmückt und bunt wie Flamingo-Vögel: die trieben einen beladenen Esel vor sich her. ``Was wollen diese Könige in meinem Reiche?'' sprach Zarathustra erstaunt zu seinem Herzen und versteckte Sich geschwind hinter einem Busche. Als aber die Könige bis zu ihm herankamen, sagte er, halblaut, wie Einer, der zu sich allein redet: ``Seltsam! Seltsam! Wie reimt sich Das zusammen? Zwei Könige sehe ich - und nur Einen Esel!''
Thereupon the two kings made a halt; they smiled and looked towards the spot whence the voice proceeded, and afterwards looked into each other's faces. "Such things do we also think among ourselves," said the king on the right, "but we do not utter them." Da machten die beiden Könige Halt, lächelten, sahen nach der Stelle hin, woher die Stimme kam, und sahen sich nachher selber in's Gesicht. ``Solcherlei denkt man wohl auch unter uns, sagte der König zur Rechten, aber man spricht es nicht aus.''
The king on the left, however, shrugged his shoulders and answered: "That may perhaps be a goat-herd. Or an anchorite who hath lived too long among rocks and trees. For no society at all spoileth also good manners." Der König zur Linken aber zuckte mit den Achseln und antwortete: ``Das mag wohl ein Ziegenhirt sein. Oder ein Einsiedler, der zu lange unter Felsen und Bäumen lebte. Gar keine Gesellschaft nämlich verdirbt auch die guten Sitten.''
"Good manners?" replied angrily and bitterly the other king: "what then do we run out of the way of? Is it not 'good manners'? Our 'good society'? ``Die guten Sitten? entgegnete unwillig und bitter der andre König: wem laufen wir denn aus dem Wege? Ist es nicht den ``guten Sitten''? Unsrer ``guten Gesellschaft''?
Better, verily, to live among anchorites and goat-herds, than with our gilded, false, over-rouged populace--though it call itself 'good society.' Lieber, wahrlich, unter Einsiedlern und Ziegenhirten als mit unserm vergoldeten falschen überschminkten Pöbel leben, - ob er sich schon ``gute Gesellschaft'' heisst,
--Though it call itself 'nobility.' But there all is false and foul, above all the blood--thanks to old evil diseases and worse curers. - ob er sich schon ``Adel'' heisst. Aber da ist Alles falsch und faul, voran das Blut, Dank alten schlechten Krankheiten und schlechteren Heil-Künstlern.
The best and dearest to me at present is still a sound peasant, coarse, artful, obstinate and enduring: that is at present the noblest type. Der Beste und Liebste ist mir heute noch ein gesunder Bauer, grob, listig, hartnäckig, langhaltig: das ist heute die vornehmste Art.
The peasant is at present the best; and the peasant type should be master! But it is the kingdom of the populace--I no longer allow anything to be imposed upon me. The populace, however--that meaneth, hodgepodge. Der Bauer ist heute der Beste; und Bauern-Art sollte Herr sein! Aber es ist das Reich des Pöbels, - ich lasse mir Nichts mehr vormachen. Pöbel aber, das heisst: Mischmasch.
Populace-hodgepodge: therein is everything mixed with everything, saint and swindler, gentleman and Jew, and every beast out of Noah's ark. Pöbel-Mischmasch: darin ist Alles in Allem durcheinander, Heiliger und Hallunke und Junker und Jude und jeglich Vieh aus der Arche Noäh.
Good manners! Everything is false and foul with us. No one knoweth any longer how to reverence: it is THAT precisely that we run away from. They are fulsome obtrusive dogs; they gild palm-leaves. Gute Sitten! Alles ist bei uns falsch und faul. Niemand weiss mehr zu verehren: dem gerade laufen wir davon. Es sind süssliche zudringliche Hunde, sie vergolden Palmenblätter.
This loathing choketh me, that we kings ourselves have become false, draped and disguised with the old faded pomp of our ancestors, show-pieces for the stupidest, the craftiest, and whosoever at present trafficketh for power. Dieser Ekel würgt mich, dass wir Könige selber falsch wurden, überhängt und verkleidet durch alten vergilbten Grossväter-Prunk, Schaumünzen für die Dümmsten und die Schlauesten, und wer heute Alles mit der Macht Schacher treibt!
We ARE NOT the first men--and have nevertheless to STAND FOR them: of this imposture have we at last become weary and disgusted. Wir sind nicht die Ersten - und müssen es doch bedeuten: dieser Betrügerei sind wir endlich satt und ekel geworden.
From the rabble have we gone out of the way, from all those bawlers and scribe-blowflies, from the trader-stench, the ambition-fidgeting, the bad breath--: fie, to live among the rabble; Dem Gesindel giengen wir aus dem Wege, allen diesen Schreihälsen und Schreib-Schmeissfliegen, dem Krämer-Gestank, dem Ehrgeiz-Gezappel, dem üblen Athem -: pfui, unter dem Gesindel leben,
--Fie, to stand for the first men among the rabble! Ah, loathing! Loathing! Loathing! What doth it now matter about us kings!"-- - pfui, unter dem Gesindel die Ersten zu bedeuten! Ach, Ekel! Ekel! Ekel! Was liegt noch an uns Königen!'' -
"Thine old sickness seizeth thee," said here the king on the left, "thy loathing seizeth thee, my poor brother. Thou knowest, however, that some one heareth us." ``Deine alte Krankheit fällt dich an, sagte hier der König zur Linken, der Ekel fällt dich an, mein armer Bruder. Aber du weisst es doch, es hört uns Einer zu.''
Immediately thereupon, Zarathustra, who had opened ears and eyes to this talk, rose from his hiding-place, advanced towards the kings, and thus began: Sofort erhob sich Zarathustra, der zu diesen Reden Ohren und Augen aufgesperrt hatte, aus seinem Schlupfwinkel, trat auf die Könige zu und begann:
"He who hearkeneth unto you, he who gladly hearkeneth unto you, is called Zarathustra. ``Der Euch zuhört, der Euch gerne zuhört, ihr Könige, der heisst Zarathustra.
I am Zarathustra who once said: 'What doth it now matter about kings!' Forgive me; I rejoiced when ye said to each other: 'What doth it matter about us kings!' Ich bin Zarathustra, der einst sprach: ``Was liegt noch an Königen!'' Vergebt mir, ich freute mich, als Ihr zu einander sagtet: ``Was liegt an uns Königen!''
Here, however, is MY domain and jurisdiction: what may ye be seeking in my domain? Perhaps, however, ye have FOUND on your way what _I_ seek: namely, the higher man." Hier aber ist mein Reich und meine Herrschaft: was mögt Ihr wohl in meinem Reiche suchen? Vielleicht aber fandet Ihr unterwegs, was ich suche: nämlich den höheren Menschen.''
When the kings heard this, they beat upon their breasts and said with one voice: "We are recognised! Als Diess die Könige hörten, schlugen sie sich an die Brust und sprachen mit Einem Munde: ``Wir sind erkannt!
With the sword of thine utterance severest thou the thickest darkness of our hearts. Thou hast discovered our distress; for lo! we are on our way to find the higher man-- Mit dem Schwerte dieses Wortes zerhaust du unsres Herzens dickste Finsterniss. Du entdecktest unsre Noth, denn siehe! Wir sind unterwegs, dass wir den höheren Menschen fänden -
--The man that is higher than we, although we are kings. To him do we convey this ass. For the highest man shall also be the highest lord on earth. - den Menschen, der höher ist als wir: ob wir gleich Könige sind. Ihm führen wir diesen Esel zu. Der höchste Mensch nämlich soll auf Erden auch der höchste Herr sein.
There is no sorer misfortune in all human destiny, than when the mighty of the earth are not also the first men. Then everything becometh false and distorted and monstrous. Es giebt kein härteres Unglück in allem Menschen-Schicksale, als wenn die Mächtigen der Erde nicht auch die ersten Menschen sind. Da wird Alles falsch und schief und ungeheuer.
And when they are even the last men, and more beast than man, then riseth and riseth the populace in honour, and at last saith even the populace- virtue: 'Lo, I alone am virtue!'"-- Und wenn sie gar die letzten sind und mehr Vieh als Mensch: da steigt und steigt der Pöbel im Preise, und endlich spricht gar die Pöbel-Tugend: ``siehe, ich allein bin Tugend!'' -
What have I just heard? answered Zarathustra. What wisdom in kings! I am enchanted, and verily, I have already promptings to make a rhyme thereon:-- Was hörte ich eben? antwortete Zarathustra; welche Weisheit bei Königen! Ich bin entzückt, und, wahrlich, schon gelüstet's mich, einen Reim darauf zu machen: -
--Even if it should happen to be a rhyme not suited for every one's ears. I unlearned long ago to have consideration for long ears. Well then! Well now! - mag es auch ein Reim werden, der nicht für Jedermanns Ohren taugt. Ich verlernte seit langem schon die Rücksicht auf lange Ohren. Wohlan! Wohlauf!
(Here, however, it happened that the ass also found utterance: it said distinctly and with malevolence, Y-E-A.) (Hier aber geschah es, dass auch der Esel zu Worte kam: er sagte aber deutlich und mit bösem Willen I-A.)
'Twas once--methinks year one of our blessed Lord,-- Drunk without wine, the Sybil thus deplored:-- "How ill things go! Decline! Decline! Ne'er sank the world so low! Rome now hath turned harlot and harlot-stew, Rome's Caesar a beast, and God--hath turned Jew! Einstmals - ich glaub', im Jahr des Heiles Eins -
Sprach die Sibylle, trunken sonder Weins:
``Weh, nun geht's schief!
``Verfall! Verfall! Nie sank die Welt so tief!
``Rom sank zur Hure und zur Huren-Bude,
``Rom's Caesar sank zum Vieh, Gott selbst - ward Jude!''
2. 2.
With those rhymes of Zarathustra the kings were delighted; the king on the right, however, said: "O Zarathustra, how well it was that we set out to see thee! An diesen Reimen Zarathustra's weideten sich die Könige; der König zur Rechten aber sprach: ``oh Zarathustra, wie gut thaten wir, dass wir auszogen, dich zu sehn!
For thine enemies showed us thy likeness in their mirror: there lookedst thou with the grimace of a devil, and sneeringly: so that we were afraid of thee. Deine Feinde nämlich zeigten uns dein Bild in ihrem Spiegel: da blicktest du mit der Fratze eines Teufels und hohnlachend: also dass wir uns vor dir fürchteten.
But what good did it do! Always didst thou prick us anew in heart and ear with thy sayings. Then did we say at last: What doth it matter how he look! Aber was half's! Immer wieder stachst du uns in Ohr und Herz mit deinen Sprüchen. Da sprachen wir endlich: was liegt daran, wie er aussieht!
We must HEAR him; him who teacheth: 'Ye shall love peace as a means to new wars, and the short peace more than the long!' Wir müssen ihn hören, ihn, der lehrt ``ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen, und den kurzen Frieden mehr als den langen!''
No one ever spake such warlike words: 'What is good? To be brave is good. It is the good war that halloweth every cause.' Niemand sprach je so kriegerische Worte: ``Was ist gut? Tapfer sein ist gut. Der gute Krieg ist's, der jede Sache heiligt.''
O Zarathustra, our fathers' blood stirred in our veins at such words: it was like the voice of spring to old wine-casks. Oh Zarathustra, unsrer Väter Blut rührte sich bei solchen Worten in unserm Leibe: das war wie die Rede des Frühlings zu alten Weinfässern.
When the swords ran among one another like red-spotted serpents, then did our fathers become fond of life; the sun of every peace seemed to them languid and lukewarm, the long peace, however, made them ashamed. Wenn die Schwerter durcheinander liefen gleich rothgefleckten Schlangen, da wurden unsre Väter dem Leben gut; alles Friedens Sonne dünkte sie flau und lau, der lange Frieden aber machte Scham.
How they sighed, our fathers, when they saw on the wall brightly furbished, dried-up swords! Like those they thirsted for war. For a sword thirsteth to drink blood, and sparkleth with desire."-- Wie sie seufzten, unsre Väter, wenn sie an der Wand blitzblanke ausgedorrte Schwerter sahen! Denen gleich dürsteten sie nach Krieg. Ein Schwert nämlich will Blut trinken und funkelt vor Begierde.'' - -
--When the kings thus discoursed and talked eagerly of the happiness of their fathers, there came upon Zarathustra no little desire to mock at their eagerness: for evidently they were very peaceable kings whom he saw before him, kings with old and refined features. But he restrained himself. "Well!" said he, "thither leadeth the way, there lieth the cave of Zarathustra; and this day is to have a long evening! At present, however, a cry of distress calleth me hastily away from you. - Als die Könige dergestalt mit Eifer von dem Glück ihrer Väter redeten und schwätzten, überkam Zarathustra keine kleine Lust, ihres Eifers zu spotten: denn ersichtlich waren es sehr friedfertige Könige, welche er vor sich sah, solche mit alten und feinen Gesichtern. Aber er bezwang sich. ``Wohlan! sprach er, dorthin führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's; und dieser Tag soll einen langen Abend haben! Jetzt aber ruft mich eilig ein Nothschrei fort von Euch.
It will honour my cave if kings want to sit and wait in it: but, to be sure, ye will have to wait long! Es ehrt meine Höhle, wenn Könige in ihr sitzen und warten wollen: aber, freilich, Ihr werdet lange warten müssen!
Well! What of that! Where doth one at present learn better to wait than at courts? And the whole virtue of kings that hath remained unto them--is it not called to-day: ABILITY to wait?" Je nun! Was thut's! Wo lernt man heute besser warten als an Höfen? Und der Könige ganze Tugend, die ihnen übrig blieb, - heisst sie heute nicht: Warten-können ?''
Thus spake Zarathustra. Also sprach Zarathustra.